„Leben aus dem Tod“

05.01.2008

Pater Anselm Grün OSB sprach auf Einladung der Hospizstiftung Louise de Marillac in Hanau

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„Unsere Gesellschaft hat den Tod als gesellschaftliche Realität ausgeblendet, ein grundfalscher Weg", meinte Pater Anselm Grün, Cellerar der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, bei seinem Vortrag im Congress Park Hanau. Die Hospizstiftung Louise de Marillac hatte Anselm Grün im Rahmen des Jubiläumsjahres „175 Jahre Barmherzige Schwestern in Fulda" eingeladen und dieser zog mit seinem Vortrag „Leben aus dem Tod - Vom christlichen Umgang mit dem Sterben" über 700 Zuhörer in seinen Bann.

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky, der auch Mitglied im Stiftungsrat der Hospizstiftung Louise de Marillac ist, zog in seinem Grußwort ein positives Zwischenfazit für Hanau. „Wir haben beim Umgang mit einem menschenwürdigen Sterben viel erreicht, aber wir sind dennoch erst am Anfang." Es sei gut, dass auch die Medizin das Sterben mittlerweile als Teil des Lebens begreife, so der Oberbürgermeister.

Für Anselm Grün ist die tiefe Verwurzelung mit dem Glauben der Schlüssel zum konstruktiven Umgang mit dem Tod. Auf seinem letzten Weg sterbe der Mensch „nicht einfach so", sondern „es ist ein Hineinsterben in die Arme Gottes." Jeder Sterbende nehme etwas von den Hinterbliebenen mit, so Anselm Grün. Deshalb ist für Anselm Grün auch die Sterbebegleitung so wichtig. Dazu gehöre auch die „Kultur des Abschiednehmens." Diese Phase des Abschieds werde heute sehr häufig übersprungen. „Wir verweigern damit dem Sterbenden das Abschiednehmen", meint Anselm Grün, „aber in Frieden Abschied nehmen können, ist ein hohes Gut, das man dem Sterbenden und den Angehörigen lassen soll."

Auch Rituale seien wichtig. „Kirchenrituale wie die Krankensalbung oder das Requiem haben eine solch große Kraft, die durch nichts zu ersetzen ist", so Pater Anselm. Aber diese Rituale müssten auch begangen werden, sonst „bleibt einem das Abschiednehmen irgendwann im Halse stecken." Später würden Verstorbene dann auch manchmal zu Engeln, zu Begleitern werden, die den zurück bleibenden Angehörigen zu neuen Fähigkeiten verhelfen würden.

Zum Schluss seines einstündigen Vortrags sagte Pater Anselm mit einem Verweis auf die Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul: „Es tut uns allen gut, mit mehr Barmherzigkeit umzugehen." So könne jeder seine „eigene Lebensspur eingraben" und verdeutlichen, „was will ich nach meinem eigenen Tod noch ausstrahlen!"  Den Barmherzigen Schwestern und allen, die in Hanau als Begleiter von Sterbenden tätig seien, wünschte Pater Anselm zum Abschied, dass „Sie zum Segen werden für die Sterbenden."

Die scheidende Generaloberin Schwester Brunhilde Wehner, die den Gastredner zuvor auch begrüßt hatte, dankte Pater Anselm am Ende der Veranstaltung mit den Worten: „Es gab kein Räuspern und kein Husten im Saal. So sehr haben Sie uns mit Ihrem Vortrag gefesselt." Zuvor hatte Schwester Brunhilde auch die am 31.10.2008 neu gewählte Generaloberin im Mutterhaus Fulda, Schwester Maria Rosalia Bagus, herzlich willkommen geheißen und den Anwesenden vorgestellt.

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