Ein besonderes Fronleichnamsfest unter Coronabedingungen auf dem Fuldaer Domplatz 2020

18.06.2020

Unter dem Leitsatz „In Krisenzeiten besonders Schwächere in den Blick nehmen“,- hatte Bischof Dr. Michael Gerber im Vorfeld zum Fronleichnamsfest drei Themenschwerpunkte festgelegt, zu denen jeweils ein Altar gestaltet werden sollte: Nächstenliebe - Familie - Barmherzigkeit. Zum Thema Barmherzigkeit mit dem Blick auf alte und pflegebedürftige Menschen in den Pflegeeinrichtungen und zu Hause und die am Rande unserer Gesellschaft lebenden Menschen-, waren wir Schwestern aus dem Mutterhaus Fulda angefragt. Dabei ging es zum einen darum, den Altar zu gestalten, zum anderen ein passendes Evangelium auszuwählen und die Fürbitten entsprechend dem Thema vorzubereiten. Evangelium und Fürbitten wurden auch von der jeweiligen Gruppe vorgetragen. Dieser Herausforderung haben wir uns zusammen mit zwei Mitarbeiterinnen aus der Vinzenz Gruppe Fulda gerne gestellt.

Zu Beginn nahm Bischof Gerber Bezug auf die Corona-Pandemie und die sich daraus ergebenden Herausforderungen für die Menschen und verglich die zu ertragenden Einschränkungen mit einem Marathonlauf, den man nicht einfach abbrechen könne. Als im März der Lockdown kam, seien alle nahe beieinander gewesen. „Allen ging es scheinbar gleich, was Einschränkungen des öffentlichen Lebens anging, was die Notwendigkeit anging, sich neu zu organisieren“, betonte er. Doch nun ziehe sich wie beim echten Marathonlauf das Feld auseinander. Nun zeige sich, dass die eigenen Ressourcen nicht unbegrenzt seien. Es gelte aber, nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf die anderen zu achten, die sonst auf der Strecke blieben.

Bei, zum Teil, heftigem Regen feierte Bischof Gerber einen festlichen Gottesdienst an einem schlichten Zelebrationsaltar vor dem Domportal. In seiner Predigt vor einer nach den geltenden Corona-Regeln begrenzten Anzahl von Gläubigen erinnerte der Bischof daran, dass Jesus Christus in der Eucharistie, im Zeichen des Brotes bei den Menschen sei. Wenn man am Fronleichnamstag besonders auf die Eucharistie schaue, werde eine tiefe Dynamik deutlich, denn der Weg Jesu sei zwischen Nazareth, Bethlehem und Golgotha ein „Lauf auf Leben und Tod“ gewesen. „Jesus investiert nicht nur etwas, sondern er investiert sich“, so der Bischof weiter. Es gehe auch heute nicht darum, alle Kräfte auf sich selbst zu konzentrieren, sondern in den großen Herausforderungen das Eigene mit in den gemeinsamen Raum des Lebens einzubringen. Jesus fordere uns mit seinem Weg heraus, nicht nur aufs eigene Tempo zu achten, sondern gerade in einer Krisenzeit wie der heutigen jene in den Blick zu nehmen, die Gefahr liefen, auf der Strecke zu bleiben.

 

Fronleichnam sei nicht einfach ein moralischer Appell, das Gute zu tun. Vielmehr zeige sich gerade unter den gegenwärtigen Bedingungen, wo sich nicht die Gemeinde, sondern nur die Monstranz auf den Weg machen könne: „Da macht sich Jesus auf den Weg, auf seinen Lauf zwischen Himmel und Erde, um uns seinen Atem zu schenken.“ Der Bischof rief dazu auf, daran zu glauben, „dass Gott aus unserem kleinen Beitrag Großes wachsen lassen kann“. Nach der Predigt brachten Familien selbst gestaltete Miniblumenteppiche in Familienpizzakartons nach vorne.

 

An den Gottesdienst schloss sich eine „stehende Prozession“ auf dem Domplatz an:
Anstelle der sonst üblichen großen Prozession durch die Fuldaer Innenstadt ging der Bischof mit dem Allerheiligsten-, zu den auf dem Platz aufgestellten Altären, während die Gläubigen auf ihren Plätzen blieben. Der Bischof machte damit deutlich, dass zu den im Moment ganz besonders von der Krise Betroffenen Jesus Christus in Form des Allerheiligsten gebracht werde. Ergreifend war für unsere Gruppe, wie Bischof Gerber an allen drei Altären in einem freiformulierten Gebet im jeweiligen Anliegen gebetet hat und anschließend den eucharistischen Segen zunächst den Menschen, die „hinter den Altären“ stehen, zusprach:

  • Den Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern, den Krankenhausseelsorgerinnen
    und -seelsorgern.
  • Den Familien: - Müttern und Vätern, aber auch den Kindern, die viel ertragen und im Miteinander oft noch mehr Geduld aufbringen müssen,- als sonst.
  • Den alten Menschen (nicht nur) in Seniorenheimen, die nicht oder nur sehr selten besucht werden dürfen; - den demenziell Erkrankten; - den Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft leben.

 Am vierten Altar spendete Bischof Gerber den Segen über alle Menschen in Stadt und Landkreis Fulda.

 

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