Auf den Spuren der Ordensheiligen in Frankreich

08.05.2014

Gruppenfoto

Leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Schwestern auf den Spuren der Ordensheiligen und der ersten Barmherzigen Schwestern in Frankreich

 Vom 05. bis 08. Mai 2014 unternahmen hochmotivierte, leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda und dem St. Vinzenz-Krankenhaus Hanau gemeinsam mit vier Schwestern unserer Gemeinschaft, jeweils die Krankenhausseelsorgerinnen und zwei Ratsschwestern, eine Pilgerreise. Wir folgten den Spuren des hl.  Vinzenz von Paul, der hl. Luise von Marillac und der ersten Barmherzigen Schwestern. Orte der Wallfahrt waren Straßburg, Saverne und Paris.

Ziel war einerseits die Vertiefung der Kenntnisse über das Wirken der Ordensheiligen, um diese in die jeweilige Leitungsaufgabe heute zu übertragen und andererseits spirituelle Impulse und Orientierung für das persönliche Leben zu bekommen.

Die Unterbringung während dieser Zeit war bewusst in Saverne (Zabern), im Haus der Quelle, gewählt. Denn hier ist der Ursprung unserer Fuldaer vinzentinischen Gemeinschaft, so wie aller Gemeinschaften, die zur Föderation gehören.

Schon auf der Reise gab es Impulse zur Bedeutung des Pilgerns in unserer Zeit und biografische Hinweise zum Lebenswerk des hl. Vinzenz von Paul. Das gemeinsame Picknick auf der Reise war nicht nur leibliche Stärkung, sondern auch gemeinschaftsfördernd. Die Stationsleitungen aus den beiden Krankenhäusern lernten sich dadurch näher kennen.

Im Mittelpunkt des ersten Tages stand der Besuch des Mutterhauses der Straßburger Schwestern. Sr. Blandine, die Generaloberin, empfing uns mit einigen Mitschwestern zu einem vorzüglichen Mittagsmahl und gab einen kurzen Überblick über die Straßburger Gemeinschaft und  stellte uns die Mutterhauskirche vor. Eine Schifffahrt durch das historische Straßburg und der Besuch im Münster rundeten hier den ersten Tag ab.

Am Abend erwartete uns im Haus der Quelle in Saverne ein ebenso herzlicher Empfang.  

Dieses Haus steht wie eine Insel der Stille inmitten der Natur und bietet beste Möglichkeiten zur Stärkung von Leib und Seele. Daran haben die Hausschwestern, dazu gehören neben der Leiterin Sr. Denise Baumann, Sr. Marieluise und zurzeit Sr. Bonavita (München) und Sr. Christina (Wien) mit ihrer überwältigenden vinzentinischen Gastlichkeit einen großen Anteil.

Tägliche Morgen- und Abendimpulse unterstützten das spirituelle Auftanken der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Der zweite Tag, gestaltet von Sr. Denise,  brachte den Teilnehmern in eindrucksvoller Weise die Geschichte der Straßburger Vinzentinerinnen nahe, die im Jahre 1734 in Zabern in einem kleinen Spital ihren Ursprung nahm. Erhalten ist aus dieser Zeit nur noch der Turm, den wir uns bei der anschließenden Stadtbesichtigung anschauen konnten. Höhepunkt dieses Rundgangs war die  Kirche im Zentrum der kleinen mittelalterlichen Stadt, in der die ersten Schwestern beteten und ihre Gelübde abgelegt haben. Nach dem gemeinsamen Flammkuchen-Essen gab es Raum zur freien Verfügung.

Am späten Nachmittag wurden wir dann durch Sr. Denise, die bereit war, uns zu begleiten, auf die Fahrt am kommenden Tag nach Paris eingestimmt.

Am Folgetag ging es dann recht früh (06:10 Uhr) mit dem TGV nach Paris. Am Gare de l’Est angekommen, besuchten wir zuerst Saint Lazare, den Ursprung der Lazaristen und die Kirche St. Laurent, die Pfarrkirche von Luise von Marillac.

Dann fuhren wir weiter in die Rue du Bac zum Mutterhaus der Pariser Vinzentinerinnen. Beeindruckend an diesem Ort sind der unscheinbare Eingang, die vielen gläubigen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Schichten, ein permanenter Strom des Kommens und Gehens. Am Ende des langen Innenhofs öffnet man die schlichte Eingangstür und steht in einer Kapelle, gefüllt mit Menschen, die beten. In dieser Kirche (die Erscheinungskapelle der Muttergottes) sind die Gebeine der hl. Luise und der unversehrte Leib der hl. Katharina aufgebahrt.

Nach dem gemeinsamen Gottesdienst besuchten wir unweit der Erscheinungskapelle die Kirche der Lazaristen, in der Vinzenz von Paul in einem silbernen Sarkophag, einem Geschenk der Pariser Bürger an ihren Heiligen, aufgebahrt ist. Wir hatten Gelegenheit, das Museum der Lazaristen und  auch Originalbriefe von Vinzenz und Luise im Archiv  zu sehen. Nach einer Stärkung ging es zu Fuß durch Paris zum 4. Bezirk am rechten Seine-Ufer. Dort befindet sich u. a. die Kathedrale Notre Dame und das Pariser Rathaus. In dieser Gegend wirkte Vinzenz in einem Waisenhaus, in dem er die Missstände bei der Versorgung der Findelkinder aufdeckte und Abhilfe schaffte. Darüber nahm er Einfluss auf die katastrophalen Zustände im Hotel Dieu und den Umgang mit den Galeerensträflingen.

Nach unserer Rückreise empfingen uns die Schwestern in Saverne mit einem leckeren Imbiss.

Am Donnerstag, dem letzten Tag, arbeiteten wir gemeinsam zum Thema „Vinzenz und sein Auftrag heute“. Der Austausch orientierte sich an der Frage: Wer sind die Armen heute in unseren Krankenhäusern?  Wie können wir den Formen der Armut heute begegnen? Um die Reise zu vertiefen und nachhaltig zu gestalten, wurden die nächsten Arbeitsschritte vereinbart. Es soll u. a. ein Kalender mit Vinzenzzitaten und entsprechenden Fotos entstehen.

Zum Abschluss der Tage bekamen alle Teilnehmer ein Herz und ein Schlüsselband. Es steht symbolisch dafür, den Schlüssel zu den Herzen der Menschen zu finden, die uns anvertraut sind. In großer Dankbarkeit für die gemeinsamen, wertvollen Tage im Haus der Quelle folgte der Abschied.

Eine Teilnehmerin schreibt im Nachgang der Reise: „Wir haben viel erlebt, wir haben viel erfahren, haben Gemeinschaft gelebt und die Reise hat uns die Werke von Vinzenz und Luise näher gebracht. Die Tage haben uns sehr angesprochen und bereichert. Es wurde deutlich, was es heißt, den vinzentinischen Auftrag im Krankenhausalltag mit Leben zu füllen. Dabei erkannten wir, was Vinzenz von Paul meinte, indem er sagte „Die Liebe ist unendlich erfinderisch.“

Unser Wunsch ist es, dass die Stationsleitungen mit den Möglichkeiten, die ihnen gegeben sind, das große Erbe von Vinzenz und Luise mit uns in die Zukunft tragen.

 

Text: Sr. Birgit Bohn
Foto: Mitarbeiter aus Hanau

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